Staking als Dienstleistung (SaaS): Besteuerung für Staker und Anbieter in Deutschland
Staking as a Service ermöglicht es Kryptowährungsinhabern (ETH, SOL, ADA, DOT...), Belohnungen zu verdienen, ohne einen Validierungsnode technisch verwalten zu müssen. Stattdessen beauftragen sie einen Infrastrukturanbieter, der den Node für sie betreibt, im Austausch gegen eine Gebühr.
Hauptanbieter von Staking as a Service
Für Einzelpersonen (non-custodial)
- Allnodes: Staking für Ethereum, Solana, Cardano usw. Der Kunde behält die Schlüssel.
- Kiln: Ausgerichtet auf institutionelle und professionelle Nutzer.
- P2P.org: Multi-Chain, ab $32 ETH (32 ETH Mindestbetrag für eigenen Validator).
- Everstake: Multi-Chain.
Custodial (der Anbieter kontrolliert die Schlüssel)
- Coinbase Cloud (ehemals Bison Trails).
- Binance Staking: Zentralisiert.
- Custodial-Lösungen beinhalten ein höheres Gegenparteirisiko.
Der Unterschied zwischen non-custodial und custodial
| Aspekt | Non-custodial | Custodial |
|---|---|---|
| Wer kontrolliert die Schlüssel | Du (der Staker) | Der Anbieter |
| Gegenparteirisiko | Gering | Hoch |
| ETH in Eigenverwahrung? | Ja (im Einzahlungsvertrag) | Nein |
| Steuerliche Komplexität | Höher (klarer in Bezug auf Eigentum) | Geringer (ähnlich wie bei einer Börse) |
Besteuerung für den Staker (Kunde des SaaS)
Die Staking-Belohnungen
Egal ob non-custodial oder custodial:
- Die Staking-Belohnungen (ETH, SOL, ADA...) sind das Ergebnis einer aktiven Teilnahme am Konsens → Einkünfte aus Kapitalvermögen.
- Wert in EUR zum Zeitpunkt der Gutschrift der Belohnungen auf deinem Konto (oder Wallet).
- Wenn der Anbieter täglich ausschüttet → jede Ausschüttung ist ein steuerpflichtiger Vorgang an diesem Datum.
Die Gebühr des Anbieters
Der Anbieter erhebt einen Prozentsatz deiner Belohnungen als Servicegebühr (z. B.: Kiln erhebt 15 % deiner Staking-Belohnungen für ETH).
Besteuerung der Gebühr:
- Dein Nettogewinn = Gesamte Belohnungen − Anbietergebühr.
- Ist die Gebühr absetzbar? Du musst die Bruttoeinnahmen der Belohnungen angeben und dann die Gebühr:
- Option A: Nettogewinn angeben (Einnahmen abzüglich der Gebühr). Einfacher.
- Option B: Bruttoeinnahmen angeben und die Gebühr als Ausgabe absetzen. Technisch korrekter.
- Ohne klare Richtlinien der Finanzbehörden ist Option A pragmatisch akzeptabel.
Anschaffungskosten des ursprünglichen Stakes
Das für das Staking hinterlegte ETH/SOL/ADA:
- Es handelt sich nicht um eine Veräußerung, wenn es in den Staking-Vertrag eingezahlt wird (du bleibst Eigentümer).
- Beim Abheben → bleibt es dein Eigentum, zuzüglich der Belohnungen.
- Der Wertzuwachs des zugrunde liegenden Vermögenswerts (ETH stieg von 2.000 € auf 4.000 €) wird besteuert, wenn du das ETH verkaufst (nicht, wenn du es stakest oder entsperrst).
Besteuerung für den SaaS-Anbieter (Unternehmen)
Wenn du ein Staking-as-a-Service-Geschäft in Deutschland betreibst:
- Körperschaftsteuer (KSt): Die von den Kunden erhaltenen Gebühren sind Einkünfte aus wirtschaftlicher Tätigkeit.
- Umsatzsteuer (USt): Infrastrukturleistungen unterliegen der Umsatzsteuer (19 %). Wenn deine Kunden aus anderen EU-Ländern stammen (Unternehmen) → Umkehrung der Steuerschuldnerschaft.
- Verwahrung von Drittvermögen: Wenn du POW oder Staking-Vermögenswerte von Kunden verwaltest → Verpflichtungen zur Geldwäscheprävention (AML) als Anbieter von virtuellen Vermögenswertdiensten (VASPs).
Slash: Verlust durch Validator-Strafe
Wenn der Node deines Anbieters einem Slashing unterliegt (Protokollstrafe für Doppelsignatur oder andere Fehler):
- Du verlierst einen Teil deines gestakten ETH.
- Dieser Verlust ist ein Vermögensverlust: Anschaffungskosten des verlorenen ETH − Veräußerungswert (0, da durch das Protokoll zerstört) = Verlust.
Deckt der Anbieter die Slashing-Verluste ab? Einige SaaS-Anbieter bieten eine Slashing-Garantie:
- Wenn du entschädigt wirst → die Entschädigung = steuerpflichtige Einnahme (allgemeine Einkünfte).
- Der Verlust des ETH → bereits realisierter Vermögensverlust.
- Netto: Könnte steuerneutral sein, wenn die Entschädigung = Verlust.
Staking-Abhebung: die Unbonding-Periode
Viele Chains haben eine Unbonding-Periode (z. B.: Ethereum: bis zu 3-4 Tage, Cardano: sofort, Polkadot: 28 Tage):
- Während der Unbonding-Periode gibt es keine Erträge.
- Die Wartezeit führt nicht zu einem steuerpflichtigen Ereignis.
- Der Vermögenswert bleibt dein Eigentum mit denselben Anschaffungskosten.
Liquid Staking vs. SaaS Non-Custodial: Wichtige Unterschiede
| Aspekt | Liquid Staking (Lido/RocketPool) | SaaS Non-Custodial (Kiln/Allnodes) |
|---|---|---|
| Positionstoken | stETH, rETH (neuer Vermögenswert) | Kein Token wird ausgegeben |
| Liquidität | Sofort (Token verkaufen) | Warten auf die Unbonding-Periode |
| Besteuerung beim "Einstieg" | Veräußerung von ETH | Keine Veräußerung |
| Belohnungen | Variabel (Rebasing oder Wechselkurs) | Direkt ausgeschüttet |
Aktualisiert: April 2026 | Steuerjahr: 2025


